Westkanada – Naturparadies zwischen Rockies und Pazifik

Inhaltsübersicht

Drei Wochen Rundreise voller Naturwunder, Kultur und Abenteuer

Eine dreiwöchige Reise durch Westkanada ist ein Traum für alle, die Natur, Kultur und authentische Begegnungen lieben. Zwischen der pulsierenden Metropole Vancouver, den türkisblauen Seen der Rockies und der wilden Küste von Vancouver Island entfaltet sich ein Kaleidoskop an Eindrücken. Hier meine persönliche Route mit Highlights, Tipps und Inspiration für unvergessliche Sommerwochen im Westen Kanada.

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Kanada-Rundfahrt-Vancouver-Island

Vancouver – Architektur, Natur und urbanes Flair

Vancouver, Startpunkt unserer Reise, gilt für viele als schönste Stadt der Welt – und das nicht ohne Grund. Die Architektur ist außergewöhnlich vielfältig: rund, gedreht, stufenförmig, zwischen den Wolkenkratzern alte Kirchen und kleine Backsteinbauten. Besonders bei Sonnenschein sind die Spiegelungen in den Glasfassaden beeindruckend.

Neben Architektur und Kulinarik bietet Vancouver viel Natur: Stanley Park, der Blick von Grouse Mountain, der historische Stadtteil Gastown mit seiner Dampfuhr, der bunte Granville Island Market oder die Capilano Suspension Bridge. Letztgenannte ist allerdings ein Touristenfänger, überteuert und überlaufen.

Dagegen ist eine Tour in und um den Stanleypark, bevorzugt per Rad, wahlweise auch mit Inlinern oder zu Fuss, trotz der vielen Besucher recht entspannt. Der Weg um den Stanleypark herum führt am Wasser entlang und bietet schöne Aussichten in alle Richtungen. An vielen Punkten kann man in den dicht bewaldeten Park abbiegen, in dem zahlreiche Totem-Pfähle der indigenen Bevölkerung zu bestaunen sind.

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Kanada-Rundreise-Vancouver-Granville

Okanagan Valley Highlights: Wein, See & Sommerhitze

Von Vancouver geht es ins Okanagan Valley. Dass Kanada ein Weinland ist, überrascht viele – aber in dieser warmen Region wachsen Reben von hoher Qualität. Zugegeben: Guter kanadischer Wein ist teuer, doch die Weinproben in den Weingütern mit Blick auf den Okanagan Lake sind jeden Dollar wert.

Als wir dort waren, war ein Bad im Okanagan Lake bei ca. 35 Grad Celcius eine willkommene Abkühlung.

OkanaganValley-Wein-Sonnenuntergang
OkanaganValley-Lake
OkanaganValley-Hafen

Revelstoke – Outdoorparadies in den Selkirk Mountains

Revelstoke ist klein, aber von spektakulärer Natur umgeben. Wanderungen durch blühende Bergwiesen und Ausblicke auf die Selkirk Mountains gehören hier ebenso dazu wie eine Fahrt mit der Sommerrodelbahn „Pipe Mountain Coaster“. In Revelstoke selbst gibt es im Ortszentrum im Sommer jeden Abend Open-Air-Konzerte aller möglicher Musikrichtungen mit freiem Eintritt.

Ganz in der Nähe liegt der Mount Revelstoke National Park. Während man im unteren Bereich bei sommerlichen Temperaturen entspannt durch den Wald wandern kann, wird man an der Spitze von schneebedecktem Gelände empfangen. So ergibt sich das außerordentliche Erlebnis, bei sommerlichen Temperaturen durch den Schnee zu stapfen. Spektakulär auch die Aussicht von oben.

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Westkanada-RevelstokeNP-Schnee-Blumen
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Lake Louise & Emerald Lake – Postkartenidylle in den Rockies

Auf dem Weg von Revelstoke zum Lake Louise sollte man unbedingt einen Zwischenstopp im Yoho Nationalpark einbauen. Haupttouristenziel dort ist der Emerald See, der sich bei Sonne in tollen Farben präsentiert. Empfehlenswert ist eine etwa zweistündige entspannte Wanderung um den See. Schon nach wenigen Minuten zerstreuen sich die Touristenmassen und man begegnet nur noch wenigen Gleichgesinnten in der fast unwirklich schönen und abwechslungsreichen Landschaft.

Das nächste Ziel, Lake Louise, ist weltbekannt – früh morgens, wenn noch Ruhe herrscht, zeigt sich der türkisfarbene See von seiner schönsten Seite. Empfehlenswert sind Wanderungen zum Lake Agnes Teahouse oder ins Gletschergebiet. Dazu ist jedoch schon etwas Ausdauer und Fitness erforderlich. Eine ideale Unterkunft ist Paradise Lodge & Bungalows ganz in der Nähe des Sees, wodurch man die teuren Parkplätze am See spart. Von dort aus gibt es schöne Wanderwege durch den Wald und die Wiesen zum Ort, wo man an der alten Railway Station wunderbar essen kann.

EmeraldLake-Weg
EmeraldLake-Türkis

Kanadas Traumstraße: Icefields Parkway nach Jasper

Der Icefields Parkway zählt zu den Traumstraßen der Welt und windet sich über 233 km von Lake Louise nach Jasper, mit Flüssen, Gletschern, Seen und Bergen. Zahlreiche Aussichtspunkte laden zu Zwischenstopps ein.

Da es der bekannteste und meistbefahrene Highway in Westkanada ist und nur eine kurze Sommersaison hat, war mir etwas bange hinsichtlich des Verkehrs. Ich hatte mit Staus oder zumindest Stop-and-Go gerechnet, doch weit gefehlt.

Die Weite Kanadas macht auf dem Highway nicht halt. Der Verkehr, der sich an teils vollen Parkplätzen an den Sehenswürdigkeiten bemerkbar macht, verteilt sich ansonsten wunderbar, sodass man teilweise gar keine anderen Autos sieht.

Jasper ist ein gemütlicher Ort, in dem wir uns im Downtown Hostel sehr wohlgefühlt haben. Zahlreiche Wanderwege führen in die herrliche Natur. Allerdings kann es auch zu Begegnungen mit Tieren wie Elchen oder Schwarzbären kommen, weshalb Bärenhupe und Bärenspray stets griffbereit mitgeführt werden sollten.

Allerdings zerstörten kurz nach meinem Besuch Waldbrände Teile des Ortes und der Region. Solche Nachrichten treffen besonders hart, wenn man selbst gerade dort gewesen ist.

Einer der bekanntesten Seen in der Nähe von Jasper ist der malerische Maligne Lake mit Spirit Island, ebenfalls ein häufiges Postkartenmotiv. Der See wird von Gletscherwasser gespeist und erreicht daher nur maximal eine Temperatur von 4 Grad Celsius.

IcefieldParkway-See
IcefieldParkway-Fluss
IcefieldParkways-Blumen

Clearwater & Wells Gray Park – Wasserfälle und Einsamkeit

In Clearwater konnten wir tatsächlich keinen richtigen Ortskern ausmachen. Die Häuser liegen weitverstreut in der Landschaft. Sehr schön und entspannend ist allerdings der Dutch Lake, in dem man schwimmen, SUP oder Boot fahren kann.

Ideal gelegen ist Clearwater für einen Ausflug in den Wells Gray Provincial Park. Durch diesen Park fließt der ClearwaterRiver mit seinen Nebenflüssen in fünf größere Seen. Auf seinem Weg sind mehr als 40 Wasserfälle zu bestaunen. Die bekannten Helmcken Falls mit 141 m Fallhöhe sind überwältigend, aber auch andere wie die Dawson Falls sind beeindruckend. Überall befinden sich Wanderwege durch die Wälder mit tollen Aussichtspunkten.

WellsGrayPark-Wasserfall

Whistler – Aktivität und Lebensfreude

Obwohl recht lang, ist die Strecke von Clearwater nach Whistler ohne spezielle Sehenswürdigkeiten landschaftlich sehr abwechslungsreich. Ein Großteil der Strecke führt außerdem durch das Land der indigenen Bevölkerung.

Whistler – 2010 für die Olympischen Spiele modern gestaltet – ist quirlig und sportlich: Mountainbiken, Wandern oder die spektakuläre „Peak 2 Peak“-Gondel gehören dazu. Abends lockt das autofreie Village mit entspannter Atmosphäre.

Ideal gelegen ist Clearwater für einen Ausflug in den Wells Gray Provincial Park. Durch diesen Park fließt der ClearwaterRiver mit seinen Nebenflüssen in fünf größere Seen. Auf seinem Weg sind mehr als 40 Wasserfälle zu bestaunen. Die bekannten Helmcken Falls mit 141 m Fallhöhe sind überwältigend, aber auch andere wie die Dawson Falls sind beeindruckend. Überall befinden sich Wanderwege durch die Wälder mit tollen Aussichtspunkten.

WhistlerVillage
Whistler-OlympischeRinge

Campbell River – Orcas & Buckelwale

Von Whistler ist es nur eine kurze Strecke bis zur Fähre nach Nanaimo (Vancouver Island), aber mit spektakulärer Sicht auf Fjorde und Inseln. Die Fähre sollte man im Voraus online gebucht haben, um längere Wartezeiten zu vermeiden und die Überfahrt am selben Tag zu sichern.

Von Nanaimo geht es in nördlicher Richtung nach Campbell River, berühmt für Walbeobachtungen. Es gibt viele Anbieter und wir hatten das Glück, nur zu viert auf einem Schlauchboot mit unserem Guide, einem Einheimischen, dessen Großvater noch mit der Harpune aus dem Kanu heraus Wale jagte, unterwegs zu sein.

Es dauerte eine Weile, bevor wir die ersten Buckelwale sahen. Ihr Auftauchen hört man durch das laute Prusten. Sie sind nur kurz an der Oberfläche, tauchen wieder ab und sind verschwunden. Dann sind sie weg und man weiß nie, wo sie wieder auftauchen. Das kann sehr aufregend sein 😀

Auf derselben Tour haben wir später noch neun Orcas gesehen, die vor der Insel häufig unterwegs sind.

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Campbell-River
Vancouver-Island

Chemainus – Murals und Kleinstadtflair

Unser zweiter Stopp war Chemainus in südlicher Richtung. Chemainus ist bekannt für seine Wandmalereien, die Geschichte und Kultur des Ortes erzählen. Ein Bummel durch das kleine Städtchen mit Galerien und Cafés ist der perfekte Ausklang der Reise.

Chemainus bietet auch einen guten Ausgangspunkt, um Victoria, die Hauptstadt der Provinz British Columbia, zu besuchen. Besonders empfehlenswert sind die etwas nördlich von Victoria liegenden Butchart Gardens, der größte und sicher schönste botanische Garten Westkanadas.

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Kanada-Vancouver-Island-Victoria
Vancouver-Island-Butchers-Gardens

First Nations – Indigene Geschichte, Kultur und Literatur

Reist man durch Westkanada, ist die indigene Kultur omnipräsent – in den Souvenirläden zu überhöhten Preisen, in Form von Totems, von denen man schon am Flughafen in Vancouver empfangen wird und die Touristenmagnete sind, oder in Wandmalereien an den Häusern.

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Kanada-Mural-First-Nations
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Umerziehungsschulen

Dahinter steht eine schwierige Vergangenheit, die bis heute nachwirkt: die Zeit der Residential Schools, in denen Kinder der First Nations zwangsweise umerzogen wurden.

In die „Residential Schools“, Internatsschulen weit weg von zuhause, wurden Kinder der indigenen Bevölkerung teils zwangsweise eingewiesen, um sie zu „assimilieren“. Dies bedeutete, ihre eigene Sprache nicht sprechen zu dürfen, ihre Geschichte und ihre Bräuche nicht kennenzulernen, sondern häufig brutal und unter sexuellem, physischen und psychischen Missbrauch für die herrschende westliche Kultur „erzogen“ zu werden.

Diese Schulen waren über 100 Jahre Alltag in Kanada. Tausende Kinder starben an Krankheiten oder nahmen sich das Leben. Was unvorstellbar ist – erst 1996 wurde die letzte Schule dieser Art geschlossen.

Vollständige Gleichberechtigung haben die First Nations immer noch nicht erlangt und ich frage mich, wie sie zu ihrer jetzigen tourismusfördernden Präsenz stehen.

Richard Wagamese

Wer tiefer eintauchen möchte, dem empfehle ich die Bücher von dem indigenen Schriftsteller Kanadas Richard Wagamese (1955-2017), dessen wunderbare Bücher nun teilweise ins Deutsche übersetzt wurden.

„Der gefrorene Himmel“ (im Original „Indian Horse“) erzählt die Geschichte von Saul, wie der Autor zum Stamm der Ojibwe gehörend, der in einem der furchtbaren Umerziehungsheime für indigene Kinder aufwächst und seine Rettung im Eishockey, dem kanadischen Nationalsport, findet. Erschreckend, wie groß der Rassismus auch im Bereich dieses Sportes ist. Fast zerbricht Soul daran, bevor er sich auf seine Wurzeln besinnt.
Der Roman wurde sehr ansehenswert 2017 verfilmt. Leider gibt es noch keine deutsche Synchronisation.

Ein weiterer, sehr lesenswerter Roman des Autors „Das weite Herz des Landes“ erzählt eine schwierige Vater-Sohn-Geschichte, die sich über das 20. Jh. erstreckt.

Kanada-First-Nations-Gebiet

Fazit – Westkanada in drei Wochen erleben

Drei Wochen in Westkanada sind eine Reise der Vielfalt: moderne Architektur, Weinregionen, stille Bergseen, wilde Küsten, aber auch berührende Begegnungen mit Kultur und Geschichte.

Unvergesslich bleiben für mich:

  • das unvergessliche Türkisblau des Emerald Lake
  • das Donnern der Helmcken Falls,
  • Whalewatching vor Vancouver Island,
  • und die Geschichten der First Nations, die noch lange nachwirken.
Westkanada-Rundreise-Hängebrücke
Westkanada-Rundreise
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