Dominica – Unbekannter Juwel der Karibik

Auf den Spuren von Jack Sparrow  – Wandern, Tauchen und Relaxen

„Dominica – Welcome to the Nature Island“, so wird man am Fährhafen in Roseau, Hauptstadt von Dominica, Mitglied des Commonwealth und erst seit 1979 unabhängig, empfangen. Und genau das ist es – ein Naturjuwel mit dem einzigen Weitwanderweg der Karibik, dem Waitikubuli National Trail. Dieser führt 184 km bergauf und bergab, durch tropischen Regenwald, vorbei an zahlreichen Wasserfällen, heißen Quellen, Seen, Vulkankratern und sagenhaften Ausblicken auf Insel und Meer. Natürlich muss nicht jedermann den ganzen Trail wandern, er ist eingeteilt in 14 kleinere Abschnitte aller Schwierigkeitslevel. Aber nicht nur für Wanderfreunde ist die Insel besuchenswert.

Entlang der Westküste ziehen sich einige der besten Tauchspots der Karibik, herrliche Schnorchelreviere liegen direkt am Strand. Rund um Dominica leben Pottwale das ganze Jahr und auf entsprechenden Bootstouren hat man eine 90%ige Chance, diese auch zu sehen. Delfine werden ebenfalls häufig gesichtet und begleiten Boote aller Couleur einige Meter. Und als ob dies nicht genug wäre, sind auf dieser Insel etliche Szenen vom „Fluch der Karibik“ gedreht wurden. Deren Spuren sind teilweise noch sichtbar.  So beispielsweise bei einer Bootsfahrt durch die Stille des Indian River, wo die gruselige Sumpfszene gedreht wurde. Zusammen mit dem Besuch der Bushbar und einem Coco Punch ist dies eine besondere Erfahrung.

Indian River22
Portsmouth Fluss2

Dominica ist eine relativ kleine Insel. Sie ist circa 50 km lang und 25 km breit, dabei jedoch sehr bergig: Es geht bis zu knapp 1500 Meter hinauf. Die Insel ist nicht dicht besiedelt, über 50 % der Fläche bedeckt immergrüner Regenwald.

Ein ausgebautes Bussystem verbindet die vielen kleinen und wenigen größeren Ortschaften in den Bergen und am Meer. Außer am Sonntag, da scheint die Insel im Tiefschlaf. Keine Busse fahren, (fast) alles hat geschlossen, insbesondere auch Cafés und Restaurants.

Will man den Norden der Insel mit seinen schönen Stränden besuchen und nach Schiffswracks tauchen sowie den Süden der Insel mit ebenfalls Tauchspots sowie herrlichen Schnorchelmöglichkeiten direkt vom Strand aus erkunden und im Inselinnern zu den zahlreichen Wasserfällen, Vulkankratern oder dem zweitgrößten „Boiling Lake“ der Welt wandern, ist eine Woche definitiv zu wenig.

Überall gibt es schöne und bezahlbare Unterkünfte. Mein absolutes Highlight ist das Chocolate Cottage bei Calibishie im Norden der Insel. Dort wohnt man oberhalb der kleinen Schokoladenfabrik in einem komplett aus Holz und sehr liebevoll gebautem Apartment. Alle Fenster sind weit zu öffnen, sodass man sich mitten in der dichtbewachsenen Natur fühlt. Umgeben von einem herrlichen Garten, kann man es sich auf der Terrasse gut gehen lassen oder zum einsamen Strand hinunter krachseln.

Chocolate factory2
Bettaussicht2

Die Leute auf Dominica sind freundlich und gut drauf, aber man sieht auch schon am Vormittag Männer mit vom Alkohol oder Drogen glasigen Augen und unsicherem Gang. Dies scheint verständlich, wenn man auf die letzten fünf Jahre der Insel blickt. 2017 suchte der Hurrikan Maria Dominica heim und hinterließ 90 % beschädigte oder zerstörte Häuser und etliche Tote. Die Spuren sind heute noch überall sichtbar. Viele Häuser wurden wieder aufgebaut, Touristenunterkünfte, Restaurants und Bars wieder schick gemacht. Dann kam 2019 Corona und legte den weltweiten Tourismus lahm. Für den Großteil der kleinen touristischen Unternehmen war dies der Dolchstoß. Daher sieht man heute überall schöne, neue kleine Tourismusanlagen und Restaurants, die jedoch geschlossen sind. In Google Maps ausgewiesene Restaurants, die ihre letzten Bewertungen von 2019 haben, gibt es nicht mehr. Und damit auch keine Arbeitsplätze und Verdienstmöglichkeiten der Bewohner. In diesem Jahr startete eine groß angelegte Marketingkampagne des Staates, um den Tourismus zu beleben. Doch es scheint ein Teufelskreis: Wo es keine touristische Infrastruktur gibt, dorthin kommen wenig Touristen. Und ohne die Einkünfte aus dem Tourismus können die Einheimischen ihr Gewerbe nicht aufbauen. Dabei ist Dominica gerade für Individualreisende ideal. Noch gibt es keine Tourismusanlagen großer Hotelketten und man wünscht Dominica, dass es so bleibt.

Soufriere Guesthouse2