Dzangha-Sangha

Elefanten in der Dzanga Bai

Unser Guide hält die Finger über die Lippen – still – und zeigt mit der Hand, dass wir langsam zurückgehen sollen. Waldelefanten – wir sehen sie nicht, aber unser Guide – ein Pygmäe des Ba `Aka-Stammes – kann sie hören, bevor sie aus dem dichten Wald plötzlich vor uns stehen. Einige Male müssen wir auf unserem Weg zur Dzanga Bai Umwege laufen, durch kleine Flüsse, Matsch und Sumpf, um den wilden Elefanten auszuweichen.

Die Dzanga Bai ist eine Lichtung im Nationalpark Dzangha-Sangha im Süden der zentralafrikanischen Republik, auf der sich so viele Elefanten wie an kaum einem anderen Ort der Welt aus der Nähe zu beobachten sind. Dazu gibt es eine Plattform, von der aus Forscher und Touristen sich gefahrlos am Treiben der Elefanten satt sehen können. Die Elefanten kommen zum Trinken und zur Aufnahme wertvoller Mineralien zur Lichtung, durchschnittlich um die 50 pro Tag, manchmal aber mehr als 100 gleichzeitig. Daneben nutzen die größten Riesenwaldschweine der Welt (bis ca. 250 kg), Affen und Antilopen die Lichtung. Unvorstellbar: während der letzten 30 Jahre wurden 90% der noch lebenden Waldelefanten getötet, sodass sie nun als gefährdete Art gelten. Ein Großteil lebt in Gabun und einige Tausend im Gebiet des Dzangha-Sangha Nationalparks.

An der Dzanga Bai angekommen, bietet sich ein atemberaubender Anblick. Um die hundert Elefanten befinden sich auf der Lichtung, davon viele Elefanten-Babys. Ein buntes, aber weitestgehend ruhiges Treiben. Die Elefanten bohren ihren Rüssel in die Pfützen, um so an die wertvollen Mineralien zu kommen oder wandern gemächlich allein oder in kleinen Gruppen über die Wiese. Ab und an gibt es ein kleines Gerangel und ein Trompeten. Auf der Plattform kann man Stunden verbringen und sogar übernachten. Stets ist ein Forscher anwesend, der die Elefanten zählt und Daten zur Identifizierung festhält. Seit über 30 Jahren läuft diese große Studie bereits, über 4.000 Elefanten konnten identifiziert werden.

Plötzlich und scheinbar ohne Grund rennen die Elefanten los und innerhalb kürzester Zeit sind sie im Wald verschwunden. Irgendetwas muss sie erschreckt haben.

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Riesenwaldschwein unter Elefanten

Gorilla-Tracking

Neben den Elefanten gibt es eine zweite große Sehenswürdigkeit im Park: freilebende Flachland-Gorillas. Von diesen gibt es noch mehr als von den vom Aussterben bedrohten Berggorillas. Hier im Park sind es etwas über 2.000. Um Gorillas nahe zu kommen, müssen sie an die Gegenwart von Menschen gewöhnt. Diese Habituierung dauert 2-3 Jahre und ist ein äußerst aufwendiges Unterfangen. Während der ganzen Zeit werden sie von Menschen begleitet. Flachlandgorillas leben in kleineren Gruppen von 6 bis 10 zusammen und werden von einem imposanten Silberrücken angeführt. Im Park gab es letztes Jahr noch 3 habituierte Gruppen. Binnen drei Wochen wurden jedoch zwei der Silberrücken durch Rivalen getötet und die Gruppen zerfielen. Nun gibt es nur noch eine habituierte Gruppe, eine weitere ist im Aufbau. Jedoch wird es noch ein paar Jahre dauern, bevor sie an Menschen gewöhnt sind.

Wir blicken voller Vorfreude auf unser Gorilla-Tracking am nächsten Tag, dann heißt es: Die Gorillas sind weg. Spuren deuten auf einen Kampf hin und anschließende Flucht. Der Silberrücken ist bereits über 40 Jahre alt und hat damit sein erwartbares Alter erreicht. Der Forscher vor Ort ist aber optimistisch, denn Makatu – so der Name des Silberrückens – ist noch stark und in guter Form. Am nächsten Tag wurde zwar der nächtliche Lagerplatz, aber nicht die Gruppe gefunden. Haben wir den weiten Weg umsonst auf uns genommen? Dann endlich am dritten Tag: Die Gruppe ist wieder da und sogar etwas näher gekommen. Nach 40 Minuten erneutem Marsch durch Fluss, Sumpf und Wald sollen wir bei ihnen sein. Doch wieder kreuzen Elefanten unseren Weg, wir müssen Umwege laufen und nach 90 Minuten bezweifeln wir, dass wir die Gorillas finden.

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Abenteuerreisen-Dzangha-Sangha-Waldweg
Abenteuerreisen-Dzangha-Sangha-Sumpf
Abenteuerreisen-Dzangha-Sangha-Dschungelweg-Matsch

 Ganz plötzlich weist unser Guide – wieder ein Pygmäe – ins Gebüsch neben uns: Tatsächlich – da sitzt er bzw. sie, eine Gorilla-Dame. Ohne unseren Guide wären wir vorbeigelaufen. Nun heißt es wieder ganz still zu sein. Eine Gorilla-Mama nähert sich mit ihrem Einjährigen. Kleine Gorillas sind wie alle Babys einfach zu süß. Plötzlich kracht es über uns. Ein weiterer Gorilla gesellt sich aus den Bäumen zu uns. Und dann endlich kommt auch er durchs Gebüsch – Makatu, der Silberrücken. Wir sind erstaunt, wie relaxed die Gorillas sind und wie nahe wir ihnen kommen können – übrigens mit Masken, um sie nicht zu gefährden. Die offensichtliche Stärke und gleichzeitig die friedliche Ruhe, die die Gorillas verbreiten, beeindrucken uns. Eine knappe Stunde verbringen wir mit ihnen und folgen ihnen im Wald. Übrigens dürfen nur 4 Personen auf einmal (Ranger und Guides ausgenommen) die Gorillas besuchen.

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Abenteuerreisen-Dzanga-Sangha-Gorilla-Dame

Dzangha-Sangha Nationalpark

Der Dzangha-Sangha Nationalpark in der Zentralafrikanischen Republik ist Teil des Naturschutzgebietes Trinational de la Sangha“ (TNS), welches zum UNESCO Weltnaturerbe zählt und zu dem außerdem der  Lobéké-Nationalpark  in Kamerun und der Nouabalé-Ndoki-Nationalpark in der Republik Kongo gehören. Außer den vielen verschiedenen Tieren leben die indigenen Pygmäen der BaAka und die  Sangha Sangha im Dzangha-Sangha Nationalpark. Sie sind ausgezeichnete Kenner der Flora und Fauna des Waldes, sodass sie einen wertvollen Beitrag in der Naturschutzarbeit leisten, in die sie eingebunden werden.

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Dzangha-Sangha-BaAka-Medizin

Leider ist die Wilderei, auch von Elfenbein, immer noch ein großes Thema im Park. Tag und Nacht sind zahlreiche bewaffnete EcoGuards im Wald unterwegs, um Wilderern das Handwerk zu legen. Die Anzahl der dabei eingesammelten selbstgebauten Waffen, Fallen und Stoßzähne ist erschreckend.

Doli Lodge

Zum Park gehört die wunderbare Doli Lodge, die der WWF betreibt und die direkt am Ufer des Sangha Rivers liegt. Von den aus Holz gebauten Unterkünften und der Terrasse hat man einen herrlichen Blick auf den Fluss. Bis zu 32 Personen können in den 8 Zimmern übernachten, doch sind es in der Regel weit weniger. Solarenergie spendet Strom von 6-22 Uhr und warmes Wasser. Das Essen ist super lecker und sogar eine gute W-Lan-Verbindung ist vorhanden. Ein umfangreiches Angebot an touristischen Aktivitäten wie die zuvor beschriebenen Besuche der Elefanten und Gorillas, aber auch Touren im Einbaum und Wanderungen mit den BaAka gehören dazu, bei denen sie unter anderem ihr medizinisches Wissen der Natur weitergeben.

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Aussichtsterasse und Restaurant, links Gästehäuser
Abenteuerreisen

Wie kommt man zum Dzangha-Sangha Nationalpark bzw. der Doli Lodge?

Um zur Doli Lodge zu gelangen, von der aus alle Aktivitäten starten, gibt es drei Wege:

  1. Flug nach Yaounde/Kamerun, dann zweitägige Autofahrt über teils asphaltierte Straßen, teils üble Buckelpisten bis Lilongwe, von dort aus ca., einstündige Motorbootfahrt zur Lodge

  2. Flug nach Bangui/Zentralafrikanische Republik, von dort Kleinflugzeug zur Doli-Lodge oder ebenfalls zweitägige Autofahrt über sehr schlecht erhaltene Pisten

  3. Flug nach Brazzaville/DR Kongo, zweitägige Autofahrt bis Ouésso, eintägige Bootsfahrt

Die Anreise selbst – bis auf die Fly-in-Option – ist ein Abenteuer für sich und sehr strapaziös. Aber die Anstrengungen werden belohnt. Angekommen in der Doli Lodge, wird man gern dort einige Tage verbringen.

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Interesse? Unter Abenteuerreisen Afrika ist eine Reise zum Dzangha Sangha Nationalpark im Angebot.