Ein indisches Märchen

Kleingruppenreise Indien

Nun habe ich es seit ewigen Zeiten doch wieder getan: Ich habe eine Gruppenreise gebucht. Warum? Zum einen, weil ich den Reiseveranstalter, von dem ich recht begeistert bin, testen wollte. Zum anderen, weil das Ziel Indien lautet, ich noch nicht dort war und außerdem ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Indien habe. Bilder, Informationen, Bücher, Eindrücke von Freunden und Bekannten, die Indien besucht haben, sind so unterschiedlich und divers, wie dieses riesige Land auch ist. Von totaler Begeisterung bis hin zum Entsetzen und „Nie wieder“ spiegeln sich die Erfahrungen der Reisenden. Mein Mann fand es schrecklich und will definitiv nicht noch einmal nach Indien. Kurz gesagt: Allein wäre ich wahrscheinlich nicht nach Indien gereist, obwohl es umwerfende Bilder gibt und das Land mich schon interessiert. Eine 10-tägige Reise in kleiner Gruppe (mit mir sind es 5 Personen) scheint akzeptabel, um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Meinen Mitreisenden geht es größtenteils ähnlich.

Die Reisebezeichnung klingt vielversprechend:

Ein indisches Märchen erleben. 

Einsteigertour von den versteckten Schätzen im Goldenen Dreieck nach Varanasi und ins Reich des Tigers

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Erster Eindruck in Delhi

Nach der Ankunft in Delhi geht es nach kurzer Pause bereits auf Tour durch die Stadt und per Fahrrad-Rikscha durch die engen und verwinkelten Gassen von Old Delhi. Was mir auffällt: Delhi ist nicht schmutziger als andere große Städte, die ich auf den verschiedenen Kontinenten gesehen habe. Warum auch. Ein Vorurteil? Unser Guide hat eine Erklärung: Im September findet in Neu-Delhi der G20-Gipfel statt. Schon im Vorfeld sind in Delhi und Umgebung zahlreiche ausländische Delegierte am Werk. Daher wurde Delhi wie auch Agra einer Generalsäuberung unterzogen. Vor allem rund um die großen Straßen ist alles wunderbar sauber und aufgeräumt.

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Heilige Kühe

Bekannt ist Indien dafür, dass Kühe gemäß dem Glauben der Hindu heilig sind und daher in Freiheit leben und überall ganz in Ruhe grasen, laufen oder stehen können. Dies ist tatsächlich so und es kommt gelegentlich zu skurrilen Begegnungen oder Staus auf Schnellstraßen wegen einer oder mehreren Kühen, die mitten auf der Straße stehen oder sogar liegen. Was weniger bekannt ist, dass es den meisten Kühen keineswegs so gut geht wie gedacht. Ein Teil der Kühe hat Besitzer und erhält entsprechend mehr oder weniger gutes Futter. Viele Kühe jedoch müssen sich ihr Futter in den Straßen der Städte selbst suchen und sehen entsprechend abgemagert aus. Kühe, die im Müll der Stadt nach etwas Essbaren suchen, sind allgegenwärtig.

 

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Jaipur und der Palast der Winde

Am nächsten Tag geht es in 6 Stunden im bequemen Kleinbus nach Jaipur (UNESCO-Weltkulturerbe), was wegen der rosaroten Häuserfronten auch als Pink City bekannt ist. Rosarot ist in Rajasthan die Farbe der Gastfreundschaft. Zum Besuch des Kronprinzen Albert Eduard im 19. Jahrhundert wurde die ganze Stadt in den Farben gestrichen und hat seitdem die Farbe behalten.

Der Palast der Winde ist eine wunderschöne Hausfassade, hinter der in früheren Zeiten die Haremsdamen das Leben und die Ereignisse auf der Straße beobachten konnten, ohne selbst gesehen zu werden. Ich habe extra auf der Reise Mary m. Kayes bekannten gleichnamigen Roman gelesen, der jedoch mit diesem Palast der Winde nichts zu tun hat (aber trotzdem empfehlenswert ist).

Beim Spaziergang durch die Stadt und den Markt zeigt sich bereits ein Nachteil der Gruppenreise, den ich immer wieder während der Reise bedauere: Es geht in hohem Tempo durch die Stadt, es gibt zwar immer Fotostopps, aber Zeit, um in das (Markt-)geschehen einzutauchen, bleibt leider nicht. Es werden ausgewählte Läden besucht, die interessant sind, aber extrem teuer und nicht allzu viel mit dem normalen Einkaufsverhalten der Bevölkerung zu tun haben. 

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Fliegende Pfauen

Die meisten Hotels, in denen wir übernachten, sind ausgesprochen schön und das indische Essen, dessen Fan ich bisher nicht unbedingt war, schmeckt in Indien immer sehr gut.

Hier sehe ich zum ersten Mal fliegende Pfauen, die auf den Häusern leben und von Dach zu Dach oder dazwischenstehenden großen Bäumen fliegen. Dass der Pfau das Nationaltier Indiens ist und als Reittier verschiedener hinduistischer Götter gilt, wusste ich vor meiner Reise nicht, kann es aber nun gut verstehen, da wir diesen Riesenvogel häufig in- und außerhalb der Städte gesichtet haben.

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Filmdreh in Amber Fort

Ganz in der Nähe von Jaipur liegt Amber Fort, die mächtigste Festung Rajasthans, umschlossen von einem prachtvollen Palastbereich. Zum Amber Fort, welches auf einer Anhöhe liegt, kann man sich auf dem Rücken wundervoll bemalter Elefanten tragen lassen. Ein Teil unserer kleinen Gruppe, darunter ich, verweigert sich dem jedoch aus moralischen Gründen – zu Recht, wie sich später herausstellt. Vor einiger Zeit gab es einen „Unfall“ mit einem Elefantenbullen, bei dem mehrere Menschen verletzt wurden. Die Elefanten dürfen seitdem nur noch von 9-12 Uhr, wenn es noch nicht so heiß ist, Touristen den Berg hinauf transportieren.

Auf der riesigen Palastanlage haben wir noch ein besonderes Erlebnis: Es finden gerade Dreharbeiten zu einem Film statt, mit Prinzessin auf einem reich geschmückten Elefanten, Leibgarde und Hofstaat im Torbereich – ein indisches Märchen, wie versprochen 😊

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Auf Tiger-Safari

Das nächste Ziel unserer Reise, auf welches ich mich besonders gefreut habe, ist der Ranthambore-Nationalpark, der zu den schönsten Wildschutzgebieten in Indien gehört. Hier leben neben dem Bengal-Tiger auch Lippenbären, Hyänen, Leoparden, Honigdachse, Sambar- und Axishirsche sowie verschiedene Antilopenarten. Auf zwei verschiedenen Safaris haben wir zwar leider keinen Tiger sichten können, jedoch zumindest dessen frische Spuren sowie zahlreiche Hirsche und Antilopen, die sich erstaunlich unbeeindruckt von den Geländewagen zeigten und daher ganz aus der Nähe beobachtet werden konnten.

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Kochkurs bei Einheimischen

Als Nächstes stand in Agra der Besuch einer Familie auf dem Programm, mit der wir zusammen kochen und den Abend genießen sollten. Bei diesem Programmpunkt hatte ich zunächst etwas Bauchschmerzen, weil ich solche Besuche bei „Einheimischen“ sehr übergriffig finde und nicht mag. Dies erübrigte sich jedoch dort schnell. Die Familie, bestehend aus Ehepaar, Oma und Sohn, wohnte in einer modernen kleinen Wohnung und hatte diese Einführung in die indische Kochkunst für ausländische Touristen zu ihrem Geschäftsmodell gemacht. Ganz professionell und in engem Zeitplan waren die Besuche getaktet, sodass man kein schlechtes Gewissen wegen Eindringens in die Privatsphäre einer Familie haben musste.

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Taj Mahal im Morgenlicht

Ein Höhepunkt der Reise war auf jeden Fall der Besuch des Taj Mahal in den frühen Morgenstunden. Auch wenn jeder sicher das Bild vor Augen hat, ist es unbeschreiblich, in der großflächigen Anlage mit Park herumzuspazieren und sich direkt am Taj Mahal zu befinden. Mit der aufgehenden Sonne wird das aus weißem Marmor erbaute Mausoleum in ein atemberaubendes Licht getaucht. Vom Taj Mahal gibt es wundervolle Blicke auf den Fluss und die Umgebung sowie vom Park aus allen möglichen Perspektiven auf das Taj Mahal. Man kann sich auf einer der zahlreichen Bänke niederlassen, die Eindrücke wirken lassen und alle möglichen, zum Großteil indische Besucher in moderner oder traditioneller Kleidung beobachten. Ein Fest für Hobbyfotografen!

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Pilgerstadt Varanasi am Ganges

Von Agra nach Varanasi geht es mit dem Nachtzug. Dies war wohl eine der authentischsten Erfahrungen in Indien – ausländische Touristen sind hier eher die Ausnahme.

Den absoluten Höhepunkt der Reise stellte für mich das Treiben am Ganges in Varanasi dar. Obwohl auch schon in Bildern und Filmen gesehen, war es doch so total fremd und unwirklich. Bei zwei Besuchen, einer am Abend, einer am frühen Morgen, zeigten sich die Szenerie von zwei komplett unterschiedlichen Seiten. Am Abend waren Tausende von Gläubigen unterwegs, um bei den Zeremonien am Fluss zuzuschauen oder mitzumachen, sich im Ganges reinzuwaschen und das Treiben von Land und von zahlreichen Booten vom Fluss zu verfolgen. Am Morgen waren nur vereinzelt Leute zusehen, dafür konnten wir vom Ganges aus kilometerweit die Treppen zum Fluss zu sehen, die am Abend alle gefüllt waren mit Zuschauern und Betenden. Während es am Abend sehr lautstark zuging, war es am Morgen geradezu idyllisch ruhig – einige Momente zum Innehalten.

Dazu muss gesagt werden, dass mir noch nirgends auf der Welt die extreme Lautstärke des Verkehrs so aufgefallen ist – alles hupt ständig und durcheinander, sodass ich tatsächlich Kopfschmerzen davon bekam.

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Fazit

Insgesamt eine wundervolle Reise mit zahlreichen Besuchen gewaltiger Festungen und fantastischer Paläste, die ich gar nicht im Einzelnen erwähnt habe. Auch war die Abwechslung mit dem Besuch des Nationalparks und von Varanasi ideal. Die Zusammensetzung der Gruppe war wunderbar – ein Pärchen und drei Alleinreisende zwischen Ende 30 und Ende 50.

Mir persönlich waren es zu viele Eindrücke in zu kurzer Zeit. Es gab kaum Verschnaufpausen, um die Eindrücke zu verarbeiten. Bei individuellen Reisen würde ich nicht von einer Sehenswürdigkeit zur anderen hasten, sondern lieber an weniger Orten die Eindrücke auf mich wirken lassen.

Um einen Eindruck von der Schönheit Indiens zu gewinnen und einige der bedeutendsten Sehenswürdigkeit der Welt zu sehen, ist es eine ideale Reise.

Möchtest Du mehr Informationen oder die Reise buchen: Ein indisches Märchen

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